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preiswerte Flyer und Faltblätter

Unter dem Pseudoym Fritz Gustavo Allewelt schieb ich den dreiteiligen Erlebnisroman "Abgefahren...aus dem Rahmen gefallen".
Ich habe viel erlebt, es gab viel zu erzählen, am Fliegertisch und am Grill vor dem Wohnmobil.
“Du solltest unbedingt ein Buch schreiben", empfahl man mir immer wieder.
Lange habe ich überlegt, ob ich es kann und ob ich es machen sollte.
Ich habe es gemacht!
Danke an alle, die mich dazu ermutigt und bis hierhin unterstützt haben!


"Abgefahren...aus dem Rahmen gefallen" ist keine Biografie, sondern ein Erlebnisroman meines temporären Ausstiegs aus dem geregelten, uniformen Alltagsleben.
Mit dem Wohnmobil und einem Wasserflugzeug hinten dran machte ich mich auf den Weg nach Griechenland und Italien. An den Stränden flog ich mit Touristen über die traumhaft schönen Landschaften. Dina, meine Mischlingshündin, war meine treue Sozialpartnerin und Begleiterin.
In einer Art Goldgräberstimmung lebte ich in meinem Wohnmobil unter den Leuten im unverfälschten Umfeld des entsprechenden Landes. Ich verliebte mich in Griechenland und in Italien. Alle Erlebnisse und Abenteuer wurden von mir real erlebt.

Warum bin ich wieder in Deutschland?
Davon erzähle ich in "Abgefahren...aus dem Rahmen gefallen", Band 3.



Fritz Gustavo Allewelt

"Abgefahren" Band 1 und Band 2, der Autor stellt vor:
[Abbildung]


So fing es an:
Ich verabredete mich mit Jannis zum Treffen in Paliouri auf Kassandra, direkt am Strand, an dem Jannis seinen Strandbetrieb hatte. Im Laufe des Julis sollte ich dort eintreffen, dann wären genügend Touristen da. "Wir haben jetzt Mitte März", dachte ich kurz nach, "da habe ich noch Zeit einen Abstecher nach Süditalien zu machen, um meinen guten Freund, den Optiker Gino Brunellisi zu besuchen."

"Abgefahren...aus dem Rahmen gefallen" Band 1

1992, Bill Clinton wird Präsident der USA. Der VFB Stuttgart wird deutscher Meister.
Das Großraumflugzeug Airbus A330 startet zu seinem Erstflug und meine Ehe bricht auseinander.
Wir hatten uns sukzessive auseinandergelebt und es nicht bemerkt.
Unsere Töchter gingen inzwischen eigene Wege. Sie hatten keines meiner Hobbys übernommen, oder Interesse daran gezeigt. Es waren beileibe keine langweiligen Hobbys, denen ich nachging. Fallschirmspringen, Tauchen, Surfen, Wasserski, alpines Drachenfliegen, Langstreckenläufe. Langweilig war es bei uns nicht.
Wir waren viel unterwegs und unternahmen das meiste gemeinsam. Am Anfang mit dem Zelt, später mit dem VW-Bus, an dem bald ein kleiner Wohnwagen hing.
Dann ergriff der Pferdevirus Besitz von unseren Töchtern. Elke, meine Ex, hatte das fortgeschrittene Stadium des Glucken-Syndroms erreicht.
Es kam, was kommen musste, die Trennung.
Eine versuchte Aussprache und der Versuch, die Weichen neu zu stellen, verliefen ergebnislos.
Ich beschloss den Rückzug, den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.
Wichtige Entscheidungen wurden bei mir eine Nacht überschlafen, das hatte ich in meiner Bundeswehrzeit gelernt.
Am nächsten Tag stand für mich der Entschluss fest, ich ziehe aus, mein neues Zuhause wird ein Wohnmobil. Ich stellte nur Ansprüche auf Handtücher, Bettwäsche und meine persönlichen Utensilien. Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt.

Mein neues Zuhause

Dina, meine kleine, weiße Mischlingshündin wich mir nicht mehr von der Seite. Die ständigen Aktivitäten der letzten Tage hatten ihr signalisiert, dass Außergewöhnliches bevorstand.
Dina war für mich nicht nur meine Hündin, sondern auch meine treue Freundin und Sozialpartnerin.
Ihr Körbchen war vor dem Beifahrersitz platziert. Während der Fahrt hatte sie ihren Platz auf dem Beifahrersitz, angeschnallt natürlich.
Der Verabschiedungsbahnhof war groß, einige wären bestimmt gerne mitgekommen.
Es war ein Hingucker, dieses Gespann.
Das Dach des Wohnmobils war bestückt mit zwei Aluboxen und einer Topbox.
Für die Bordstromversorgung sorgten zusätzlich zwei Solarpaneelen, die auf dem Dach des Wohnmobils installiert waren. Willy hatte fürs Heck eine Halterung konstruiert und angebaut, auf der ein 220-V Stromaggregat diebstahlsicher seinen Platz hatte. Aluminiumkanister für zusätzliches Trinkwasser hatten ihren Platz an der Heckleiter.
Über der Heckbox befanden sich zwei verzinkte 10-Liter-Eimer, die konnten mal nützlich sein, dachte ich mir.
Darunter war ein 30 Meter langer Gartenschlauch platziert. Die gewichtsmäßige Unbedenklichkeitsbescheinigung lag in Form eines Wägeberichtes, Gesamtgewicht, Gewicht Vorderachse und Hinterachse, in den Reisepapieren.
Der ungebremste Trailer war noch etwas überladen. Wie viel, werde ich hier nicht verraten. Auf alle Fälle war die Simson dabei, was sich später als äußerst vorteilhaft herausstellte. Der Rumpf des Fliegers war mit seinem Fahrgestell auf die Schwimmer montiert.
Das Ganze wiederum wurde auf einer von Willy konstruierten gittermäßigen Plattform befestigt, die praktisch einen relativ offenen Deckel des Trailers darstellte. Die jeweils sechs Meter langen Tragflächen hatten ihren Platz auf beiden Seiten des Rumpfes. In gepolsterten Rungen, in Fahrtrichtung untergebracht, sollten sie die fast 3000 km lange Reise schadlos überstehen.
Der Propeller musste nicht abgebaut werden, er passte mit seinem Umfang zwischen die seitlich des Fliegers stehenden Flächen.

Wir lernen Drachenfliegen

[Abbildung]






1976 schrieben Rudi und ich uns am Rammelsberg, an dessen Fuß die Stadt Goslar liegt, in die Harzer Drachenflugschule ein, um diese ursprünglichste Art des Fliegens zu erlernen. Der Rammelsberg hat immerhin eine Höhe von 600 Metern. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit und an Jürgen, den Besitzer und Leiter der Drachenflugschule.

Rennrodeln im Zillertal





Der Drachensportverein „Zillertaler Jochgeier“ lud 1977 zu einem Flugwettbewerb ins Zillertal ein. Aus Deutschland folgten der Hamburger und der Harzer Drachensportverein der Einladung mit vier Drachenfliegern.
Bei drei Flugdisziplinen und einem Rennrodeln galt es zu punkten.
Das hieß, von dem Rennrodeln erfuhren wir erst
nach der Ankunft im Zillertal. Diese Disziplin lag uns Flachländlern überhaupt nicht.
Wie viele Leben hat der Mensch?

Pause am Brenner


Der absolute Hochgenuss, in der Cafeteria am Brenner, ein Ciabatta-Brötchen mit original
italienischer Mortadella und einen original italienischen Cappuccino zu sich zu nehmen.
“Un Panino con Mortadella ed un Cappuccino, per favore”, gab ich meine Bestellung auf.
“Ma volentieri Signore. Anche un po di Acqua per il Cane?“, fragte der Venditore, der Verkäufer.
“Si, va bene, ja gerne.“
Dina freute sich über die Schüssel Wasser und ich über das Mortadellabrötchen und den Cappuccino.

Teures Duschen

Vor mir standen zwei Carabinieri.
Die sehen immer aus, als kämen sie gerade frisch rasiert und frisiert vom Friseur.
Ihre Uniformen schienen brandneu und maßgeschneidert zu sein.
„Signori, buon giorno”, begrüßte ich sie.
“Buon giorno, che cosa è, guten Tag, was ist das?“, fragte der eine Carabinieri und zeigte mit seinem manikürten Finger auf das Rinnsal, das langsam unter dem Wohnmobil hervorkroch.
„Nur klares Wasser ohne Seife“, antwortete ich in der Hoffnung, die Sache wäre damit erledigt, „ich habe vergessen, das Ventil zu schließen.“

„O. k., so wird es sein, sonst wäre hier ja kein Wasser“, antwortete der Carabinieri scharfsinnig.
Von wegen erledigt!
„Das macht 120.000 Lire, Signor!“, forderte der Carabinieri mit gelassenem Gesichtsausdruck.
120.000 Lire fast 120 DM, ich konnte es nicht fassen!
Zwanzig Meter gegenüber duschte ein italienischer Lkw-Fahrer unter seiner Außendusche und schmetterte lauthals ein Lied.
Eine riesige Pfütze umgab ihn.
„Muss der auch bezahlen?“, fragte ich und zeigte zum Lkw-Fahrer.
„Wir reden über Ihr Wasser, Signor! Wenn Sie nicht zahlen wollen, fahren Sie hinter uns her zum Revier. Dort nehmen wir ein Protokoll auf und Sie bekommen eine Anzeige!“
Eine deutliche Ansage des Carabinieri.
Zähneknirschend zahlte ich 120.000 Lire und erhielt eine Quittung. Ein Salamibrötchen und einen Espresso gönnte ich mir trotzdem.
Danach wurde getankt, das heißt, wir wurden betankt. Selbstbedienung gab es hier nicht.
“Quanto? Pieno?“
“Si, si, pieno per favore, ja, einmal volltanken bitte.“
Man glaubt es nicht, mit einem Fuß auf dem Vorderreifen und einer brennenden Zigarette im Mundwinkel wurde das Vehikel betankt.
Andere Länder andere Sitten.

Die Gier macht blind


Die Niederländer mussten aussteigen, die Hände aufs Dach legen, und wurden von den Carabinieri abgetastet. Inzwischen hatte ich ein Fernglas vor den Augen und konnte alles genau sehen. Ein Carabinieri schrieb irgendetwas, welches dem Niederländer in die Hand gedrückt wurde. Geld und Karton wurden an die Beamten übergeben, die dann einstiegen und wegfuhren. Gut dachte ich, dass ich die Kamera nicht gekauft habe.

Vereitelter Überfall

Was war das für ein Geräusch? So wisch, wisch, als wischte jemand vorsichtig mit der flachen Hand über den Tisch. ‚Wieso, wer wischt bei mir über den Tisch‘, grübelte ich?
Da ich mit dem Aufwachen keine Probleme hatte, gab es bei mir keine Anlaufzeit.
Einmal wach, war ich gleich auf 100 Prozent.
Als mein Blick durch den von den Parklaternen konfus beleuchteten Wohnmobilraum in Richtung Küchenzeile ging, erkannte ich augenblicklich die Ursache des Fremdgeräusches.
Das Gazerollo des Küchenfensters war hochgeschoben und eine Hand tastete auf der
Glasabdeckplatte herum. Geräuschlos verließ ich den Alkoven. Schnell ergriff die immer bereitstehende, benzingefüllte Plastikflasche mit dem bleistiftdicken, gebogenen
Ausspritzröhrchen und dem bereitliegenden Sturmfeuerzeug. Drück, zünd und schon
verschwand die brennende Hand mit lautem Grunzen.

Der Mautpreller

Die Blitzlichtanlage war auf hohen Masten montiert. Nachdem ich wieder sehen konnte, erkannte ich, dass der Stationsangestellte mit zwei Gläsern Rotwein auf mich zukam.
„Allora, prendiamo un bicchiere vino rosso“, lud er mich zu einem Glas Rotwein ein.
Das würde mir zu Hause keiner glauben!
Konnte die Mautgebühr nicht bezahlen und bekam zur Belohnung noch ein Glas Rotwein.
Mir wurde bewusst, ich war nicht in Deutschland. Ich war in Italien, wo die Sonne lacht, wo die Menschen aus purer Lebensfreude singen, wo das Essen reinster Genuss ist, wo jahrhundertealte Olivenbäume knorrig wachsen, wo ein Kunstwerk das andere an Schönheit und Pracht übertrifft.
Man könnte meinen, hier leben nur Lebenskünstler.

Das Wiedersehen

Da stand er!
Ich konnte nicht glauben, dass zwölf Jahre vergangen waren, seit ich ihn das letzte Mal sah.
Er hatte sich nicht verändert. Mit einer Zigarette im Mundwinkel, deren vordere Hälfte aus Asche
bestand, guckte er mich an, als würde soeben Mussolini seinen Laden betreten.
Er stand hinter dem, mit süditalienischer Ordentlichkeit gezierten Verkaufstresen. Berge mit Papier, einem Handspiegel, in dem nur ein Blinder, der hineinschaute, sein Aussehen mit der Armanibrille erahnen konnte. Und über Ginos Kopf, mit schwarz glänzendem Haar, hing ein Schild „non fumare“, nicht rauchen.
„Mamma mia, Norberto, isch glauben es nicht, meine liebe Freund, meine Bruder. Isse das dein Geist?“
Er stürmte hinter dem Tresen hervor. Links und rechts ein Kuss, gefolgt von einer wilden Umarmung.

Meine italienische Liebe

Marianna war damals 14, dachte ich gerade, als unsere Blicke sich trafen. Wie kann man nur so verdammt gut aussehen! Warum ist sie noch nicht leiert?
„Allora Signori“, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
Eine Blondine mit großer Oberweite, geschlitztem Rock und einem strahlenden Lächeln, brachte uns kunstvoll dekorierte Cocktails.
Vincenzo kam an unseren Tisch.
Die linke Hand hinter dem Rücken, über dem rechten Arm, den er vor seinen Bauch hielt, hing eine weiße Stoffserviette. Mit leicht vorgeneigtem Oberkörper fragte er:
„Tutto a posto, Gino, alles in Ordnung?“

Notlandung

Ich musste auf dem Rücken des Esels Platz nehmen. Die Alte führte ihn schweigend und der Mann ging, sich mit mir unterhaltend, nebenher.
Kurze Zeit später erreichten wir ein Häuschen aus Naturfels, welches ebenso zerschunden war, wie sein Anzug. Daneben befand sich ein baufälliger Schuppen, dem das halbe Dach fehlte.
Ob sie jemals bessere Zeiten erlebt hatten, dachte ich, wie dicht liegen Überfluss und Armut zusammen. In dem baufälligen Schuppen befand sich tatsächlich ein Wasserschlauch. Er hing, über krumm gebogenen Nägeln und mit der Öffnung nach oben, an der Wand. In dieser Öffnung steckte ein verrosteter Duschkopf. Das Wasser floss eiskalt, wirklich eiskalt, über meinen erhitzten Körper, aber ich konnte duschen!

Italienische Angelfahrt

„Du musse haben eine wenig Pazienza, eine wenig Geduld, das gibt heute viele Kili Tonno, meine Freund“, sagte Gino, während er sich an dem Seefunkgerät zu schaffen machte.
„Pchchch“, der Squelsch, die Rauschsperre des Seefunkgerätes wurde voll aufgedreht.
Ein ohrenbetäubendes Rauschen übertönte die himmlische Ruhe und das leise, sonore Brummen
des Dieselmotors. Jetzt brüllte Gino auch noch in das Mikrofon, dass ihm die Halsschlagadern zu platzen drohten: „Pronto, pronto prontoooo…., Maria Magelanaaaaa…ecco Gino, Gino, Ginooo!“
Von der Maria Magelana, ein Fischdampfer aus San Marco, der auf Thunfischfang war, wurde genauso laut zurückgebrüllt. Die Brüllerei ging um die Frage, ob sie was gefangen hätten und wo der Thunfisch sei. Die Magelana hatte auch noch nichts gefangen.
„Gino, wir werden in einem Umkreis von 100 Seemeilen in den nächsten Tagen hier überhaupt nichts mehr fangen. Nach der Brüllerei gibt es hier keinen Fisch mehr!“, prognostizierte ich.
„Entschuldigung, für die Lärm, isch wissen, in Deutschland die Angeler sich nisch bewege und immer ganze ruhig, wie in Grab“, dabei guckte er mich mit einem Blick an, dass mir meine Bemerkung schon wieder leid tat.

Omas Vollmilchnussschokolade

Für Alfredo und seinen Bruder brachte ich
Flensburger Bier mit. Drei volle Kisten lagerten
noch auf meinem Anhänger. Alfredos Töchter sollten zwei Tafeln Vollmilchnussschokolade bekommen. Oma, Alfredos Mutter, sah die Schokolade, gab eine Tafel ihren Enkelinnen und
drückte die andere Tafel an ihre Brust. Mit einem Blick, als suchte sie meine Unterstützung, rief sie: “Die ist für mich, ich esse für mein Leben gerne Vollmilchnuss.“
"Das glaube ich ja nicht", dachte ich, "wie sollte der eine Schneidezahn, der ihren Unterkiefer zierte, die Haselnuss zerkleinern?" Was machte ich mir Omas Gedanken, sie hatte ihre Methode.

Die Helfer

Am nächsten Morgen gegen zehn Uhr kamen sie, die italienischen, neugierigen und die Spannung kaum aushaltenden, liebenswürdigen
Nervensägen. Siebzehn an der Zahl!
„Ciao Pilota, hier sind wir, wie können wir helfen? Sage es uns!“
„Ich muss mir den Strand ansehen und die beste Stelle suchen, an der wir den Flieger aufbauen und ins Wasser schieben können, Freunde.“
Zusammen gingen wir an den mit Badegästen und Sonnenanbetern gut gefüllten Strand.
„Das wird nichts, Antonio, es sind zu viele Menschen am Strand, wir haben keinen Platz zum Aufbauen.“
„Oh, doch, doch, Pilota, alle wissen Bescheid und gehen ein bisschen nach links und ein bisschen nach rechts, dann haben wir viel Platz.“

Ich bekomme Telefon

„Du kannst mich auf dem Campingplatz nicht
anrufen, Lucio, ich habe im Wohnmobil kein Telefon.“
„Professore, der Pilota braucht ein Telefon!“, warf der Commandante mit einem leichten Unterton der
Entrüstung ein.
„Mein Freund Alfredo ist bei der Telecom Italia, der legt eine Leitung zum Wohnmobil“, schlug Luigi vor, als wäre das Telefon eine beschlossene Sache.
„Wenn du einverstanden bist, Professore, sage ich ihm, dass eine Telefonleitung zum Wohnmobil gelegt werden muss.“
„Ich bin einverstanden“, sagte der Professore und nickte mir wohlwollend zu.

Auf Thunfischfang

„Buon giorno Pilota, buon giorno Gino“, betrat der Capitano Ginos Laden.
Erstaunt schaute ich auf die Uhr, zehn Uhr!
„Du brauchst nicht auf die Uhr zu gucken, Pilota“, sah er mich streng an, „ich bin zwar Italiener, aber auch Kapitän. Zwei Dinge gibt es, die ich als Kapitän absolut nicht dulde, Ungehorsam und Unpünktlichkeit!“
Sein Anliegen war, dass ich mit dem Flieger die Thunfischschwärme aufspüren sollte.
„Der Thunfisch jagt die Alice, die Sardelle, und der ganze Sardellenschwarm flüchtet nach oben an die Wasseroberfläche“, erklärte er, „dabei springen sie kurz aus dem Wasser.
Wenn der Tonno die Alice jagt, brodelt dort das Meer, Pilota. Hoch über dem Meer fliegend kannst du das viel besser und früher sehen, als wir auf dem Schiff. Du bekommst ein Seefunkgerät mit ins Flugzeug und meldest uns den Schwarm“, beendete er seine Erläuterungen.
„An dem Fangergebnis wirst du natürlich beteiligt, also was meinst du, Pilota?“

Mafia?

Der Spaziergang mit Marianna und Lucio nach dem Essen, auf der Uferpromenade in der Nähe des Hafens, wurde jäh unterbrochen. Plötzlich eilten fünfzehn Gestalten auf uns zu und bildeten einen Kreis um uns. Sie trugen Trenchcoats. Mit dem Rücken zum Kreisinneren beobachteten sie mit ihren schwarzen Sonnenbrillen die Umgebung. Die Hände hatten sie in den Taschen der Trenchcoats bzw. unter diesen. Was sich da abzeichnete, waren keine Regenschirme! Lucio, Marianna, ich, sowie zwei weitere Personen standen im Inneren des Kreises. Ein Italiener stand Rücken an Rücken mit Lucio, während der andere vor ihm stand und ein Telefon reichte. Lucios Stimme wurde laut aber nicht hysterisch. In seinen Mundwinkeln bildete sich weißer Belag.

Seeigel tun weh

Meine deutschen Landsleute von Gegenüber
kamen aus Gießen und würden für vier Wochen
meine „Nachbarn“ sein, verriet mir die Frau. Bei meinem täglichen Gang zum Strand kam ich an ihrer Parzelle vorbei. Wir kamen oft ins Gespräch.
Inzwischen duzten wir uns. Er hieß Hans Joachim, ohne Bindestrich. Darauf bestand er.
„Du kannst Hajo zu mir sagen.“
Seine Frau, Sylvia, hatte ein Auge auf mich
geschmissen, hatte ich das Gefühl.
Sie sah attraktiv aus, war gut gebaut und sich dessen bewusst. Die optischen Waffen einer Frau wusste sie gekonnt, ohne vulgär zu wirken, einzusetzen.
Hajo, der sich überwiegend mit seinem Angelzeug, seiner Schnorchelausrüstung, dem Schlauchboot und seinem Springer Urvater mit Coca Cola
beschäftigte, war damit voll ausgelastet.
„Sag mal, Norbert", fragte er mich, „wo kann man am besten Schnorcheln und ein paar Fische für die Pfanne schießen?“

Verabredung

1975, in der BRD wird das Volljährigkeitsalter von 21 Jahren auf 18 Jahre gesenkt. Der Hamburger Autobahn-Elbtunnel wird eröffnet. Erstmals gibt es weibliche Offiziere in der deutschen Bundeswehr. Die fünf Ärztinnen werden im Sanitätsdienst eingesetzt.
Und im Januar 1975 gab ich folgende Anzeige in der Tauchsportzeitschrift „Delphin“ auf: „Beknackter Sporttaucher, sucht beknackten
Sporttaucher für einen gemeinsamen Mittelmeer-
Tauchurlaub. Bitte keine Schwimmbadprofis und Flachwassertaucher melden.“
Marianna: „Hallo Norberto, träumst du“, flüsterte mir Marianna mit einer gutturalen Stimmlage ins Ohr, dass sich mein Nacken mit einer Gänsehaut
überzog.
„Komm, lass uns tanzen“, der Blick ihrer schwarzen Augen ging tief in mich hinein.
„Ich war mal kurz auf Sizilien“, murmelte ich verzückt von ihrem Anblick und Geruch, während ich meine Hände um ihre Hüften und sie ihre Arme um meinen Nacken schlang.
Wir tanzten in eine lange italienische Nacht.

Das Abschiedsfest

Das Abschiedsfest auf der Piazza feierte ich ohne Alkohol, aber mit Marianna. Endlich konnte ich meine Dankeschön-Geschenke für die Telefonate, die meine Campingnachbarn kostenlos an dem für mich am Wohnmobil installierten Telefon führten, an den „Mann“ bringen.
„Pass gut auf dich auf, Norberto und bitte komm gesund wieder“, beschwor Marianna mich.
Imma schaute uns lächelnd nach, als wir Arm in Arm auf der diffus beleuchteten Promenade in die Dunkelheit eintauchten.

Käpt'ns Dinner

Drei Stunden befand sich die Fähre auf der offenen
See, als ein Besatzungsmitglied zu uns ans Wohnmobil kam. Er ließ mir Grüße vom Kapitän ausrichten und bat mich, ihm auf die Brücke zu folgen.
„Hopp, Dina, du musst hierbleiben, Herrchen kommt gleich wieder“, ließ ich sie ins Wohnmobil springen.
Auf der Brücke begrüßte mich der Kapitän, freundlich lächelnd, mit einem Handschlag.
Seine Leute hätten ihm von dem Wohnmobil und
der Fracht auf dem Trailer berichtet.
Neugierig fragte er, was es für ein buntes Gerät mit dem Motor und dem Propeller sei.
Ausführlich erklärte ich ihm alles, auch, dass ich in Italien damit geflogen sei. Er lud mich zum Essen auf der Brücke ein. Es gab Kotelett mit Pommes und Heineken-Bier.

Serpentinenstopp

Vor der steilen, scharfen Kehre, die es zu bewältigen galt, stand ein Lastzug. Hinter den Rädern lagen Gesteinsbrocken, die als Bremskeile fungierten. Überholen war zu riskant, gleich vor dem Lastzug begann die steile, scharfe Kehre, die ich nicht einsehen konnte. Ich hielt unmittelbar hinter dem Lastzug an, legte den 1. Gang ein und zog die Handbremse an. Dann schnappte ich mir die zwei bereitliegenden Metallkeile, sprang aus dem Wagen und legte die Keile hinter die Reifen des Trailers.
Der Fahrer des Lastzuges, der seine Panne mit griechischer Gelassenheit hinnahm, sagte mir, dass es drei Stunden dauern würde, bis er wieder flott wäre.
Auf der Doppelhinterachse seines Aufliegers befanden sich nur noch Felgen mit ein paar Gummiresten.

Chalkidiki

Auf der Strecke von Thessaloniki nach Paliouri fielen mir die vielen Rettungs- und Abschleppwagen auf, die in Abständen von einigen
Kilometern auf Parkplätzen oder am Straßenrand standen.
Ob hier an diesem Wochenende eine Autorallye stattfinden sollte?
Später erklärte man mir, dass an den Wochenenden und feiertags, sowie in den Ferien, Tausende von
Kraftfahrzeugen aus dem Landesinneren und den Städten in Richtung Meer und zurück fahren würden.
In der Hauptfahrzeit sei die Hauptstraße nur in eine Richtung zu befahren. Die wenigen Fahrzeuge, die in die andere Richtung fuhren, mussten die Nebenstrecken nehmen.
Bei der griechischen Fahrweise, sowie den technischen Zuständen der Kraftfahrzeuge, käme es oft zu Pannen und schweren Unfällen.

Griechische Freundin

„Das ist die Telefonnummer von Janette!
Du kannst von hier anrufen, wenn du möchtest.“
Ich rief Janette vom „Ellopia“ aus an.
„Hallo Norbert, finde ich echt cool, dass du mich
anrufst. Wo treibst du dich rum?“
Ich erzählte ihr, wo ich gerade war.
„Darf ich fragen, was du in der nächsten Zeit vor hast?“, wollte sie wissen.
„Eigentlich nichts, Janette, ich habe kein festgelegtes Ziel, warum fragst du?“
Sie holte zu einer längeren Erklärung aus. Als Erstes sagte sie mir, dass ich ihr nicht unsympathisch sei, wie ich wohl gemerkt hätte. Dann, dass ihr Vater eine Landwirtschaft habe und momentan auf Baumwolle, Kiwi und Tomaten setzte. Sie sei bei ihrem Vater angestellt und leite das Büro.
„Ich könnte noch mindesten vier Wochen Urlaub bekommen, Norbert!“, platzte es plötzlich heraus.

Holzkohle

Am späten Nachmittag erhielten wir von unseren Nachbarn einen Schnellkursus im Holzkohle anfertigen. Als Erstes sammle man geeignetes Holz. Da der Lattenzaun des Campingplatzes als geeignet erschien, brachen sie mehrere Latten aus dem intakten Zaun heraus. Dann wurden diese zerkleinert in ein Grillunterteil gegeben, mit Benzin übergossen und angezündet. Mit einem lauten, explosionsartigen Verpuffungsgeräusch schlugen
hochlodernde, schwarz qualmende Flammen empor. Das nicht mehr flammende, sondern nur noch glühende Holz wurde mit Sand abgedeckt. Nachdem die Glut erstickt war, schütteten sie alles
auf die Erde und sammelten die Holzkohlestücke heraus.

Der griechische Erwin

Bert und ich saßen unter seinem Vorzelt und unterhielten uns über „Gott und die Welt“, als ich das Moped, eine Simson, am anderen Ende des Parkplatzes, erblickte.
Zwei Männer saßen darauf und blickten in unsere Richtung. Vorne saß ein kleiner, untersetzter, hinten ein riesiger, fülliger Kerl, der den vorderen
um die halbe Körpergröße überragte. Es sah total bescheuert aus! Während ich wie gebannt zu den Beiden rüber schaute, sagte ich zu Bert: „Du Bert, der Grieche vorne auf dem Moped sieht aus wie Erwin, ein ehemaliger Flugschüler von mir.“
Es war Erwin! Dina, die früher zu Erwin auf dem Flugplatz Kontakt hatte, nahm jetzt seine
Witterung auf und lief schwanzwedelnd zu ihm rüber.

Kapitän Peleus lässt bitten

Die Pommes hätte ich mir sparen können, auf der Brücke ließ Kapitän Peleus mal wieder auftischen!
Er wollte alles über meinen Aufenthalt in Griechenland wissen, und wann ich wiederkommen würde.
„Nächstes Jahr, Kapitän“, antwortete ich.
Nach der Ankunft in Brindisi verabschiedete mich
Kapitän Peleus mit den Worten: „Also dann, Pilot, bis zum nächsten Jahr!“

Das Wiedersehen

Jäh wurde ich von dem Geräusch eines Autos und einer Stimme, die ich sehr gut kannte und die meine Sinne schlagartig beflügelte, aus meinen Gedanken gerissen. Ich explodierte aus meinem Stuhl heraus und schaute sie sprachlos und überwältigt an.
„Norberto, es gibt dich doch noch!“, rief Marianna, lief auf mich zu, umarmte und küsste mich.
Eine lange Umarmung und ein langer Kuss verzauberten meine Sinne. Eine ganze Zeit standen wir, sprachlos umarmt, Wange an Wange.
Auch Marianna hatte Tränen in den Augen, wie ich sehen konnte, als ich ihr in die Augen schaute.

Napoli

Die Haupteinfahrtstraße nach Napoli war gesäumt mit Prostituierten, die großzügig ihre Reize zeigten. Überall lag Müll, nichts als Müll! Das hatte ich noch nicht gesehen. Unzählige, am Straßenrand stehende Klein-Lkw boten auf ihren Ladeflächen irgendwelche Sachen an, wie z. B. Radkappen, Autospiegel, Autoscheiben und was weiß ich noch alles.
„Die verkaufen bestimmt auch Ginos Radkappen“, erwähnte Imma grinsend.

Fahrt nach Rom

Heftig trat er mit dem Fuß gegen den linken Vorderreifen.
„Scheiße“, fluchte er, „wir müssen zu einem Gommista, einer Reifenwerkstatt.“
Als wir beim Gommista ankamen, hatte der defekte Reifen keine Luft mehr und war durch das Fahren zerstört. Der Reifendienst war ein kleiner Betrieb, so groß wie eine Doppelgarage, nur etwas länger und höher. Die Reparatur wurde auf dem
Bürgersteig durchgeführt.

Grünkohlessen

Der uneingeschränkte Blick von der Terrasse aus über das Meer in Richtung Capri und der Amalfiküste, war die absolute Krönung. Leider war die Terrasse für den Grünkohlabend, für 22 Personen, zu klein. Wir richteten uns im Esszimmer ein.
Die italienischen Freunde waren total neugierig.
Es hielt sie nichts auf ihren Plätzen. Immer wieder
mussten sie, auch angelockt von dem Duft des sich in Zubereitung befindlichen Grünkohls, in die Küche kommen und den Fortschritt der Zubereitung kommentieren.
„Süße Bratkartoffeln habe ich noch nie gegessen.“
„Aber das sieht doch aus wie Spinat!“

Die Unterhose brennt

Peter erklärte Mario gerade, dass wir Menschen ein
Chemiebaukasten seien und im Darm brennbare Gase produzieren würden.
Vicenzo übersetzte dieses, hochwissenschaftliche Thema, so gut es ging. Mario bezweifelte Peters Behauptung. Um den wissenschaftlichen Beweis zu erbringen, zog Peter seine Shorts aus, bückte sich, eine brennende Kerze an besagter Stelle des Hinterns haltend und pupste laut und herzhaft. Eine blaue Stichflamme bahnte sich den Weg durch die Unterhose, die Feuer fing.
Schlagartig ließ Peter die Kerze fallen und rannte
Richtung Mauer, hinter der das Meer war.
Mit einem kühnen Sprung sprang er über die Mauer ins Wasser. Mario bekam einen Lachkrampf und kippte mit dem Stuhl nach hinten über. Vicenzo war vom Campingstuhl hochgesprungen und hatte sich mit einem Lachkrampf wieder hineingeschmissen.
Das hielt der Stuhl nicht aus und brach zusammen.

Landung im Marinehafen Agropoli

Mittwoch um vierzehn Uhr erwartete Lorenzo, im Dienstgrad eines Capitanos di Vascello, Kapitän zur See, unsere Landung im Marinehafen von Agropoli. Den turbulenten Flug, aufgrund unserer fliegerischen Einlagen für Lorenzos Film, überstand Lucio gut.
Mit einem flachen Kreis überflog ich den Marinehafen, um in die richtige Landeposition und Anfluggeschwindigkeit zu kommen. Ich sollte im Hafen an der Außenmole landen.
Ein anspruchsvolles Landemanöver erwartete mich.

x

Und so geht es weiter:


1979, Schah Mohammad Reza Pahlavi verlässt den Iran. Dänemark entlässt Grönland in die Selbstverwaltung. Margaret Thatcher wird von Königin Elisabeth II. zur neuen britischen Premierministerin ernannt. Karl Carstens wird zum Bundespräsidenten gewählt und der Sardinienurlaub von Karin, Peter, Elke und mir ging zu Ende.

1979, Italien war das Benzin ausgegangen, es gab keinen Treibstoff mehr!
Das galt auch für die Inseln. Dank unserer sardischen Freunde sollte es Peter und mir nicht an Benzin mangeln.
Er hatte den Hannoveranern gegenüber bemerkt, dass wir damit dicke bis Österreich kommen würden.
Dafür mussten wir aber erst auf dem Festland sein. Eine Fähre lag noch an der Pier, als wir den Fährhafen von Olbia erreichten.

„Sprechen Sie Italienisch, Signore?“

„Un po 'la signora, ein wenig, sprechen Sie”, antwortete ich, beeindruckt von ihrem Anblick.
Sie habe gesehen, wie wir auf den Parkplatz gefahren seien, und sie würde dort drüben mit ihrem Auto stehen.
Ihr Blick ging in die Richtung, wo ein Alfa Romeo stand. Weiter erzählte sie, dass ihre beiden kleinen Kinder im Auto seien, dass die Klimaanlage ihren Geist aufgegeben habe und ihr das Benzin ausgegangen sei.
Sie habe für die Kinder und sich nichts zu trinken. Von den anderen Italienern sei keine Hilfe zu erwarten, weil es denen nicht besser ginge. Sie habe noch 25 km zu fahren, dann sei sie zu Hause. Karin kam mit zwei Flaschen Mineralwasser, die sie der jungen Frau übereichte. Sofort eilte diese damit zu ihrem Auto mit den Kindern. Ich zeigte zur Tankstelle und bemerkte Peter gegenüber, dass es dort Leitungswasser gäbe.
„Das kannst du nicht als Trinkwasser nehmen, nicht in diesen Regionen, da hast du gleich die Scheißerei!“, gab mir Peter zu verstehen.

Flugzeugmesse in Bassano del Grappa

1988, 1 Liter Diesel kostet 90 Pfennig, 1 Liter Heizöl 33 Pfennig. Franz Josef Strauß, der Ministerpräsident Bayerns und Parteivorsitzender der CSU, verstirbt an Herzversagen. Die UdSSR beginnt ihren Rückzug aus Afghanistan und ich bin unterwegs, mit meinem VW-T2 und einem Ultraleichtflugzeug am Haken, nach Bassano del Grappa.
Ich war in meinem bequemen Campingsessel, gestreichelt von der südlichen Nachmittagssonne, eingeschlafen, als mich eine Frauenstimme weckte: „Ciao Norberto, ich bin Annabella, ich arbeite hier im Messebüro. Lucas hat mir erzählt, dass du aus Hamburgo kommst. In Hamburgo habe ich für eine italienische Spedition gearbeitet.“
Sie erzählte mir noch, dass Hamburg eine tolle Stadt sei und sie nette Deutsche kennengelernt habe. Das glaubte ich gerne, dass sie nette Deutsche kennengelernt hatte. Sprachlos schaute ich sie an. Dass hier ein Schönheitswettbewerb
stattfinden sollte, davon hatte ich in der
Ausschreibung nichts gelesen.
Mein Angebot sich zu setzten, lehnte sie höflich ab, da sie in Eile war.
Plötzlich waren wir zum Essen verabredet, zu dem sie mich um neun Uhr abholte.
Wir aßen in einer Tanzbar!
Die vier Tage in Bassano wurden zu einem anstrengenden, deutsch-italienischen „Kulturaustausch“.

Gino hatte eine Überraschung!

Er nannte einen neuen, gebrauchten Audi 100 sein Eigen.
„Isch haben mir gemacht eine regalo zu natale, ich habe mir zu Weihnachten ein Geschenk gemacht“, führte er grinsend seinen Audi vor.
„Damit können wir ohne den italienischen ADAC nach Napoli fahren. Wie wäre es mit morgen Norberto, bring Marianna mit.“
Tatsächlich, ohne Zwischenfälle erreichten wir Napoli. Nonno, Opa, stand auf dem Balkon und winkte uns zu. Die Begrüßung war herzlich. Nonna, Oma, bereitete Spaghetti Vongole und Scampi alla griglia zu. Anders als bei Imma, seiner Frau, hatte Gino in Omas Küche nichts zu melden. Hier hatte Oma das Zepter fest in der Hand.
Opa, der auf dem Balkon eine Zigarette rauchte, kam ins Wohnzimmer gestürzt: „Gino, la vettura è andata, das Auto ist weg!“

Eine Silvesterfeier in Süditalien ist ein besonderes Ereignis.

Silvester in Süditalien ist laut, fröhlich und bunt. Die ganze Familie ist dabei, von Oma und Opa, einschließlich der Kinder und Enkelkinder. Viele zieht es mit der Familie, oder wie in unserem Fall mit der Gruppe, laut und fröhlich ins Restaurant.
Nicht nur zum ausgiebigen Festmahl, sondern auch zu Spiel, Tanz und Gesang.
Es wird aufgetischt, dass sich die Tischplatten biegen. Ein italienischer Brauch besagt, wer in den letzten Stunden des alten Jahres genug zu essen hat, der wird im neuen Jahr nichts entbehren. Zwischen den Menügängen wird getanzt. Dazwischen
kreischen und toben Kinder. Niemand stört sich daran!
Kurz vor vierundzwanzig Uhr hatte ich ein Völlegefühl, dass ich mich beim anstehenden Silvesterfeuerwerk als Kanonenschlag hätte zur Verfügung stellen können.
Es muss eine besondere Gabe sein, die scheinbar den Italienern vorbehalten war, spät und viel essen zu können, ohne Magenprobleme zu bekommen.

Fahrt nach Salerno

Endlich erreichten wir Salerno. Hier ging nichts mehr. Nicht nur wir wollten nach Salerno, scheinbar wollten alle motorisierten Italiener dorthin. ‚Stop and go‘ war jetzt angesagt.
„So eine Scheiße“, fluchte Luigi und schlug mit der flachen Hand auf das Lenkrad.
Mit der zynischen Bemerkung: „Kein Problem, Luigi, wir schaffen es noch bis zum Dienstschluss. Wir könnten den Wagen auf dem Weg dahin noch kurz polieren lassen“, schaute ich demonstrativ auf die Uhr.
Auf einer Kreuzung versuchte ein überforderter Polizist mit einer Trillerpfeife im Mund, dem Verkehrschaos Herr zu werden. ‚Der muss abends richtig fertig sein‘, dachte ich. Zu dem Höllenabgasgestank, der in der Luft lag, kam ein Hupkonzert, das bestimmt noch am Brennerpass zu hören war. Als wir endlich auf der Kreuzung bei dem Polizisten ankamen, stoppte Luigi. Er erklärte dem Beamten, dass wir einen außerordentlich wichtigen Termin bei Dottore Fabio Pontino
hätten, den wir auf keinen Fall versäumen dürften.
„Ho capito signore, ich habe verstanden. Nehmen sie da drüben die Einbahnstraße. In diesem Fall mache eine Ausnahme.
Achten Sie auf den Schulbus und die anderen Fahrzeuge, die ihnen entgegen kommen!“
Zwanzigtausend Lire wechselten unbemerkt den Besitzer.

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